Liebe Freunde,
Es ist nun schon einige Monate her seit den letzten Nachrichten. Es war eine sehr arbeitsreiche Zeit mit einigen speziellen Herausforderungen. Die Blitzeinschläge, die ich im Januarbrief erwähnte, haben uns viel zu schaffen gemacht, aber inzwischen laufen alle elektrischen Anlagen wieder richtig, bis auf einen Brunnen, wo wir noch eine neue Steuerungstechnik einbauen müssen.
Wir arbeiten auch an Änderungen unseres Lehrplans der Landwirtschaftsschule sowie der Grundschule. Einzelheiten dazu werden folgen.
Aber zunächst einmal zum Wetter: die Regenzeit ist inzwischen vorbei, aber insgesamt war es eine der besten Zeiten in Jahren. Die Verteilung des Regens war sehr gut, d.h wir hatten nie heftigen Starkregen, sondern immer wieder etwas Regen über ein paar Tagen verteilt, sodass die Felder sehr gut gewachsen sind und wir sicherlich reichlich Mais ernten werden, das wichtigste Getreide hier.
Ich bin in letzter Zeit mehrmals gefragt worden, mit was wir Leute beschäftigen, denen wir eine kurzfristige Arbeit geben, damit sie ihre Familien ernähren können oder Schulgeld für ihre Kinder bezahlen können. Ein Beispiel: Hier ist ein Teil der Rinderweide, der vor einem Jahr völlig von Wandelröschenbüschen überwuchert war. Da wuchs kein Gras mehr, durch dieses Dickicht kamen nicht einmal mehr die Wildschweine. Das haben wir von mehreren Männern roden lassen. Am Anfang der Regenzeit haben wir die neukeimenden kleinen Büsche mit Herbizid punktuell besprüht und nun wächst wieder Gras. Wir benutzen Herbizide nur sehr wenig und schon gar nicht auf einer ganzen Fläche, da inzwischen klar ist, dass wir durch den Einsatz von verschiedener Chemie in der Landwirtschaft weltweit oft vor allem Schaden anrichten an den Böden, den Flüssen, dem Grundwasser usw.
An der Grundschule sind wir gerade dabei einen Schulgarten zu entwickeln. Warum denn so etwas? In dieser Gesellschaft werden Kinder öfter in den Garten oder ins Feld geschickt, um „Strafarbeit“ abzuleisten. Wie sinnvoll so etwas ist, will ich hier gar nicht erörtern. Vor allem hat das zur Folge, dass die Kinder Garten und Feldarbeit als Strafe ansehen und hoffen, dass sie davon soweit wie möglich wegkommen. Jetzt wollen wir „Gartenarbeit“ als etwas Gutes und Nützliches vermitteln. Das Gemüse wird dann gekocht und die Kinder bekommen eine gute Mahlzeit von „ihrem“ Gemüse. Der Garten wird außerdem zum praktischen Teil des Mathematik- und Sachkundeunterrichts benutzt: „Wenn du 5 Reihen mit je 6 Tomatenpflanzen hast, wie viele Tomatenpflanzen hast du dann?
Dieses Konzept wurde uns kürzlich von Themba Phiri vorgestellt. Themba ist seit Jahren in sechs afrikanischen Ländern mit Begeisterung tätig und zeigt jungen Menschen, wie sie nicht nur nicht hungern müssen, sondern bei der Gartenarbeit etwas lernen, etwas zum Essen produzieren und schließlich auch damit Geld verdienen können. Er kann aus seiner Erfahrung bestätigen, dass es am besten ist, Kinder schon jung für so eine schöne und befriedigende Tätigkeit zu begeistern. Daraus würden dann später auch die guten Landwirte werden. Wir werden im Laufe der Zeit ausführlicher über diese Arbeit berichten.
Ganz egal ob die deutsche Politik Afrika als COVID-Risikogebiet ansieht, Sambia ist weiterhin eines der „gesündesten Länder“ was COVID 19 angeht. (die Entscheidungsträger haben offensichtlich wenig Ahnung von der Geographie Afrikas) Es geht uns gut und wir hoffen weiterhin, dass Reisen bald doch wieder etwas „normaler“ wird.
Herzliche Grüße für heute
Eure Klaus und Christiane