Nachrichten August 2025

Liebe Freunde,

es ist inzwischen sehr trocken hier, der letzte Regen kam vor fast vier Monaten. Es sind Schulferien, und so könnte man meinen, es sei eine sehr ruhige Zeit. Ja und nein. Die Vorbereitungen für die nächste Saison sind dieses Jahr besonders wichtig. Wir können viel lehren und zeigen, wie man besseren Ackerbau betreibt, aber schließlich muss sich das auch wirtschaftlich auswirken. Das bedeutet, dass wir unsere „Zöglinge“ an einen Markt heranführen, der gewinnbringend ist. Denn die Landwirte sollen ja schließlich einmal unabhängig werden von irgendeiner Hilfsorganisation.

Zu diesem Zweck haben wir jetzt eine Vereinbarung mit einer Firma getroffen, die sich darauf spezialisiert hat, Nachfrage aus der Industrie mit landwirtschaftlichen Produzenten zusammenzubringen. Das hört sich zwar einfach an, ist es aber nicht. Denn weltweit gibt es Millionen von Kleinbauern, die nur sehr beschränkten Zugang zu größeren Produzenten haben. Diese Firma ist seit einigen Jahren in mehreren afrikanischen Ländern tätig und organisiert Märkte für Kaffee, Chili, Erdnüsse, Gewürzkräuter und einiges andere.

Wir werden nächste Saison, beginnend etwa im November, drei Hektar Chili anbauen. Wir selbst werden etwa einen halben Hektar bepflanzen, und die restliche Fläche wird auf kleinere Felder unter die Kleinbauern verteilt. Für die Kleinbauern hier ist das eine „große Herausforderung“. Denn jetzt produzieren sie nicht mehr für den Eigenkonsum nach dem Motto „die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“, sondern sie haben sich verpflichtet, eine bestimmte Qualität zu liefern.

Die Vereinbarung ist recht „bauernfreundlich“, da die Inhaber (ursprünglich die Idee von zwei jungen Holländern) überzeugt sind, dass landwirtschaftliche Produktion nur Zukunft hat, wenn die Bauern auch einen „anständigen“ Preis bekommen. Kelvin, unser neuer Lehrer, und ich hatten uns vor ein paar Tagen einige Felder westlich von Livingstone angeschaut.

Als Beispiel: 40 Frauen haben sich zusammengetan und sind verantwortlich für ein Feld von etwa 1 Hektar Chili. Nach etwas Training haben sie ihre Arbeit so eingeteilt, dass jede Frau nur einen Tag pro Woche im Feld arbeitet. Unser ehemaliger Student, der diese Arbeit beaufsichtigt, erklärte uns, dass dieses Feld etwa K 100.000 (ungefähr 3.800 Euro) Einkommen erzielen wird. Das ist etwa das Zehnfache von einem durchschnittlichen Maisfeld. Als Geldeinnahme für „ungelernte“ Dorffrauen ist das schon fast so etwas wie eine Revolution in dieser Gesellschaft hier.

Ab nächster Woche wird Kelvin, abwechselnd mit einem anderen unserer Lehrer, die ersten vorbereitenden Gespräche in den vier Dörfern beginnen, in denen wir diese Saison tätig sein werden.

Unsere eigene Landwirtschaft – das ist der Gemüseanbau der Studenten sowie die Hühner-, Rinder- und Gemüseproduktion der Twin Fountain Farm – stellen wir weiter schrittweise auf „regenerative Landwirtschaft“ um. Das heißt, wir konzentrieren uns auf die Verbesserung des Bodens, der dann bessere Pflanzen hervorbringt. Das bedeutet, dass wir jedes Jahr mit weniger Kunstdünger und weniger „Gift“ produzieren.

Das Argument der Dünger- und Agrarchemieproduzenten, dass man mit so einem System die Weltbevölkerung nicht ernähren könne, ist einfach falsch.

Für heute senden wir herzliche Grüße
Eure Klaus und Christiane

PS: Für diejenigen unter Euch, denen landwirtschaftliche Flächen nicht geläufig sind:
1 ha ist eine Fläche von 100 m x 100 m.

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