Twin Fountain Landwirtschaftliche Hochschule

Die Ausbildung von jungen Sambianer/innen im Acker- und Viehbau sind für die Zukunft des Landes von fundamentaler Bedeutung, welche durch klimatische Veränderungen noch verstärkt wird.

Innerhalb von zwei Jahren können sich Sambianer/innen, vorausgesetzt sie haben einen Schulabschluss, zum selbstständigen Farmer/in (Bauer) ausbilden lassen. Die Studenten werden in Ackerbau, Bodenpflege, Viehhaltung und Weidewirtschaft unterrichtet. Wirtschaftsrechnen und Farmmanagement finden sich ebenso auf dem Stundenplan. Dabei wird großen Wert auf selbstständiges Wirtschaften gelegt.

Die Ausbildung finanzieren die Studenten durch ihre Produktion und den Verkauf der Erzeugnisse, welche sie im Rahmen des praktischen Teils des Studiums produzieren. Jeder Student/in bekommen von Anfang an einen Garten für den Gemüseanbau. Dies ermöglicht nicht nur den praktischen Unterricht, sondern bieten den Studenten eine Versuchsfläche. So gab es in 2010 einen Studenten, der zwei Wochen lang auf den Weiden Kuhmist eingesammelt hat. Diesen wiederum löste er im Wasser für die Bewässerung der Pflanzen auf.

In diesem Punkt unterscheidet sich die Landwirtschaftsschule auf Twin Fountain völlig von vergleichbaren Ausbildungseinrichtungen. Was nichts kostet ist auch nichts wert, das stimmt sicher für die Abermilliarden von Entwicklungshilfegeldern, die in den letzten 45 Jahren nach Afrika geflossen sind. Leider muss man feststellen, dass diese fast nichts an wirklicher Entwicklung gebracht haben, sondern nur permanente Bettler aus vielen afrikanischen Staaten gemacht haben. Durch die Möglichkeit in seinem Garten Gemüse anzubauen, welches durch unser bestehendes Vermarktungssystem verkauft werden kann, können sich die Studenten/innen selbst finanzieren und brauchen keinen Sponsor, brauchen nicht bei Freunden und Verwandten um Beihilfe zu betteln. Gleichzeitig ist die Gemüseproduktion ein Teil der Ausbildung.

In 2010 kostet der gesamte 2-jährige Lehrgang etwa 1.000 Euro. Das entspricht etwa dem Durchschnittseinkommen in Sambia für zwei Jahre. Studenten/innen, die sich etwas Mühe machen, verdienen nicht nur ihr gesamtes Schulgeld, sondern sparen auch noch Geld an, was ihnen bei der Schulabschluss Feier bar ausbezahlt wird. Als Beispiel: bei der Abschluss Feier im Juli 2008 bekamen die besten vier Studenten zusammen etwa 3.800 Euro ausbezahlt. Was ein signifikantes Startkapital für die Zukunft bedeutet.

Die Vermittlung von christlichen Werten und Lebensstil – Kurs „Einführung in das Christentum“ ist ebenfalls wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Neben systematischer Bibelarbeit werden Themen wie Familie, Sex, Hexerei, Geschäftsethik, sowie ein Basiswissen anderer Religionen wie z. B. Islam, Buddhismus vermittelt.

1979 bis 1988 arbeiteten Klaus und Christiane an der Namwianga Christian Seconday School. Während der Zeit als Lehrer für das Fach Landwirtschaft an der Oberschule war für Klaus sehr schnell klar, dass dieses Fach die Schüler/innen nicht wirklich auf die landwirtschaftliche Tätigkeit vorbereitete, da die Praxis fehlte. Sambia andererseits aber dringend geschulte, fachlich kompetente Landwirte brauchte. Durch den Wassermangel in Namwianga fand er es zusätzlich sehr schwierig, seinen Schülern die Praxis des Anbauens zu zeigen. Daher entstand die Idee eine landwirtschaftliche Fachausbildung anzubieten.

Da Sambia als ein flächenmäßig großes Land in vielen Jahren nicht die eigene Versorgung mit Grundnahrungsmitteln sicherstellen kann, ist ganz klar, dass in der Landwirtschaft etwas grundsätzlich schief läuft. Es gibt zwar tausende Familien, die Land haben und auch versuchen Getreide (meist Mais) und andere Nahrungsmittel anzubauen aber die Anbaumethoden sind einfach den Anforderungen einer schnell wachsenden Bevölkerung nicht gewachsen.

Klaus schaute sich nach vorhandenen Ausbildungsmöglichkeiten in Sambia um. Die erste Möglichkeit, dass Natural Resource Development College in Lusaka bildet landwirtschaftliche „Schreibtischtäter“ für das Landwirtschaftsministerium aus. Die nächste Adresse, das Monze College of Agriculture ist zwar etwas praxisorientierter als das Natural Resource Deveoplment College, aber immer noch werden etwa 97 % der Absolventen (etwa 50 im Jahr) vom Landwirtschaftsministerium eingestellt. Die Praktika beschränken sich auf die mageren praktischen Möglichkeiten des Colleges. Das Mpika College of Agriculture in der Nordprovinz bemüht sich um eine praxisnahe Ausbildung, bleibt aber wieder weit hinter den Erwartungen zurück, da der angegliederte landwirtschaftliche Betrieb, so wie alle anderen staatlichen Betriebe, heruntergewirtschaftet sind.

Die Namwianga Missionsstation mit insgesamt ca. 2.500 ha Land, wäre für eine praxisbezogene landwirtschaftliche Ausbildung sozusagen die ideale Lösung gewesen. Durch den chronischen Wassermangel schaut sich Klaus jedoch nach Alternativen um. In 1984 wird in der „Nachbarschaft“ eine Farm zum Verkauf angeboten. Bei der Besichtigung stellt Klaus fest, dass die Farm zwei vorhandene Brunnen hat und dass der bessere von beiden schon mehr Wasser produziert, als die fünf Brunnen auf der Namwianga Farm zusammen. Nach einem langen bürokratischen Prozesse ist die Twin Fountain Farm schließlich 1988 im Besitz der Twin Fountains Farm Ltd. Die GmbH gründeten Klaus und Christiane um den Kauf der Farm zu finanzieren und um die Idee einer Landwirtschaftsschule in die Praxis umzusetzen. Somit haben Müllers nicht nur genügend Wasser aber auch ca. 1.200 ha um die Theorie auch zu praktizieren. Vorher musste aber noch viel Geduld und Mühe in den Aufbau von Twin Fountain reingesteckt werden.

Die einzigen Gebäude, die damals vorhanden waren, war das Farmhaus, das alte Jäger/Clubhaus (heute Wohnhaus von Heinz und Ruth) und die Tabakscheunen. Es gab noch keine Elektrizität und Ziegelsteine mussten alle von Hand aus Tonerde geformt und gebrannt werden. Der Rohstoff hierfür wurde aus Termitenhügeln gewonnen. Mit der Hilfe von sechs Angestellten, Gerold Gündisch und Peter Klöckner (dt. Biologielehrer) wurde alles selber gemacht. Fachkräfte oder eine Baufirma gab es nicht in der Nähe. Das ganze Baumaterial musste mit dem Auto aus Südafrika geholt werden (zwei Tage Fahrt entfernt). Vieles der Einrichtungen, Tische, Stühle, etc. wurden gespendet und kamen in Containern aus Deutschland. Es mussten Büros, Unterrichtsräume, Küche, Studentenunterkunft und Lehrerhäuser gebaut werden.

Im Januar 1993 war es endlich so weit, der erste Unterricht mit 4 Studenten konnte stattfinden. Zwischen 1993 und 1995 wurde der Unterricht durch Joachim und Katrin Kretschmar unterstützt. 1998 war die zweite Studentenunterkunft fertig und es gab die ersten Studentinnen an Twin Fountain. Heute werden jährlich zwischen 30 und 40 Studenten/innen ausgebildet.

Aktuell sind neben Klaus Müller drei sambische Lehrkräfte im Einsatz.

Der Campus hat eine Fläche von ca. 35 ha. Es befinden sich darauf Lehrerhäuser, Studentenunterkünft, Küche, Lehrräume und Studentenfelder.

hier geht’s zur Googlekarte vom Campus:

Karte vom Campus: (nicht Maßstab treu)